Archiv Soziale Bewegungen

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SELBSTVERWALTUNG ZWISCHEN MANAGEMENT UND «COMMAUTÉ»

Arbeitskampf und Produktionsgenossenschaften bei LIP in Besançon 1973 – 1987

Als die Arbeiter/-innen der Uhren- fabrik LIP in Besançon 1973 ihr Betriebsgelände besetzten, hallte ihr Slogan durch Frankreich und über die Grenze: «On fabrique, on vend, on se paie!» Vom Konkursverwalter um ihre Löhne ge- bracht, schafften sie einen großen Vorrat an Armbanduhren beiseite, produzierten und verkauften auf eigene Faust. Selbstverwaltung war das Wort der Stunde. Die Gründung einer Produktionsgenossen- schaft lehnten die Beteiligten unter anderem auf- grund des akuten Kapitalbedarfs von LIP ab. Wenig später entstanden in Frankreich Routinen für Unternehmensabwicklungen: Sozialpläne, Fonds zur industriellen Restrukturierung, Umschulungen. Auch Genossenschaftsgründungen wurden zunehmend zu einem pragmatischen Mittel der Jobsicherung. Nachdem LIP 1976 das zweite Mal in Konkurs gegangen war, gründeten die Arbeiterinnen und Arbeiter im Anschluss an eine abermalige, lange Betriebsbe- setzung mehrere Produktionsgenossenschaften. Im Vortrag und anhand von Filmausschnitten wird gezeigt, welche Vorstellungen von Selbstverwaltung sie in ihrem langen Kampf um Arbeitsplätze entwickel- ten und wie diese in den neuen Betriebsalltag Einzug hielten. Zwar gaben sich einige Unterstützer einem neuen Management-Enthusiasmus hin, andere ent- wickelten übersteigerte Gemeinschaftsansprüche. Dem Selbstvertrauen vieler Beteiligter konnte dies jedoch nichts anhaben.

Jens Beckmann, geb. 1982, studierte Politikwissenschaft und Neuere/Neueste Geschichte in Marburg. Am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam schrieb er seine Doktorarbeit zu LIP in einem Projekt über selbstverwaltete Industrieunternehmen. Er forscht zu französischer und deutscher Wirt- schafts- und Sozialgeschichte.

Samstag, 27. April 2019 20.00 Uhr

Strandcafé auf dem Grethergelände Adlerstr. 12, 79098 Freiburg